Die Mutter zeigt ihren Körper nach der Geburt


So oft sehen wir frisch gebackene Mütter in den Medien, die wieder auf Laufstegen, mitunter auch bei Victoria Secret Shows laufen oder im knappen Bikini sich am Strand räkeln. Sie sehen aus, als hätten sie nie irgendwelche Pfunde zu genommen, als wären sie immer noch so perfekt proportioniert, wie sie es vor der Schwangerschaft waren. Und sie sind es auch! Wie sie das machen? Nun, das bleibt vermutlich ihr Geheimnis. Aber das ist nicht die gesamte Wahrheit. Denn die Otto-Normal-Mutter sieht nach einer Geburt nicht aus wie aus dem Ei gepellt. Keine Mutter sollte dazu verpflichtet sein, sofort wieder schlank und straff auszusehen. Denn so geht es normalerweise vonstatten:

Die junge Neuseeländerin ist sportlich, lief sogar Marathon. Aber dann kam ihr zweiter Sohn und sie beschloss, uns mit zu teilen, wie es ihr geht – die Idee kam ihr, als sie auf dem Weg zum Briefkasten war und fest stellte, dass ihr dieser Weg Schwierigkeiten bereitete. Ihren älteren Sohn hatte sie schon länger nicht mehr auf dem Arm gehabt – auch das schmerzte, körperlich, wenn sie ihn versuchte zu heben und seelisch, weil ihr etwas fehlte. Dabei ist Julie Bhosale Ernährungsberaterin, sie weiß, wie oberflächlich Menschen sein können. Immer nur geht es darum, wie man aussieht, nicht wie man sich fühlt. Eine Woche lang wollte sie daher beschreiben, wie sie sich mit ihrer Nach-Schwangerschafts-Kugel fühlte.


“37 Wochen. Das war die Zeit meiner Schwangerschaft, die nicht immer leicht war. Und hier schreibe ich von der Zeit ‘danach’. Nach der Geburt, nachdem man eine Wassermelone durch eine Öffnung in der Größe einer Zitrone gepresst hat. Danach hast du aber das Gefühl, dass da noch eine Melone in dir ist – eine noch größere. Alles fühlt sich da unten klumpig und merkwürdig matschig an, aber das alles muss eben raus. Es ist schmerzhaft, eklig, das Gefühl ist ungut. Meine letzte Schwangerschaft endete spontan, vaginal, aber es fühlte sich weniger nach einer Wassermelone an – eher nach einem LKW. Danach kam aber das Adrenalin und das Oxytocin und überschwemmten mich – ich liebte den kleinen LKW. Ich musste mir immer wieder sagen: Ich bin schön, ich bin erstaunlich, ich bin eine Mutter.”

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“Heute ist es 2 Tage her, dass der Kleine auf die Welt kam. Aber wann habe ich das letzte mal geduscht? Mich umgezogen? Was weiß ich. Mir auch egal, obwohl ich eigentlich sehr reinlich bin. Dieses Video übers Stillen – ich kann es nicht mehr sehen. Alles schießt aus mir raus – nur nicht das, was soll, die Muttermilch kommt erst nur stockend. Und jetzt, wo sie kommt, brauche ich 2 Pads in jedem BH-Körbchen, in meiner Unterhose stapeln sich die Binden. Was rede ich da, Binden? In meiner Oma-Unterhose stapeln sich demnächst Matratzen. Das eklige Zeug, was da raus kommt, hat die Größe von Golfbällen – wo kommt das her? Und wohin ist meine Würde verschwunden?! Ich möchte mal wieder schlafen. Vielleicht finde ich da meine Würde? Eigentlich will ich euch schreiben, wie viele Stunden ich geschlafen habe, bin aber zu erschöpft – es können nicht mehr sein, als ich an einer Hand Finger habe. Mein Körper ist auf Entzug von den Hormonen – ich fühle mich wie ein Drogenabhängiger. Drogen? Wäre das eine Idee? Ich will endlich schlafen. Und vielleicht kann ich dann aufhören zu weinen. Aber eigentlich bekommt das eh keiner mit, denn das Baby weint auch. Jeder Besuch nervt nur noch, ich will meine Verwandten und Freunde nicht sehen. Aber ich muss. Ich muss ihnen zeigen, dass ich schön bin, dass ich eine erstaunliche Frau bin, dass ich Mutter bin.”

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“Heute ist es eine Woche her, und ich durfte endlich heim. Wir durften heim. Auch wenn mein Bauch noch schwammig ist, ich mich immer noch vor mir selbst ekel, meine Unterhosen nach meiner Oma aussehen, die Einlagen immer noch eher Matratzen ähneln. Ich bin zuhause, aber kann ich überhaupt für diese beiden, kleinen Menschen sorgen, wenn ich mehr einem Zombie ähnle? Wie komme ich dazu, zwei Kinder zu bekommen? Wie kann ich beide baden, sie füttern, mich um sie kümmern? Da ist ein Flohzirkus leichter zu trainieren. Und warum komme ich immer noch nicht in meine alte Kleidung rein? Aber hey, ich bin schön, ich bin erstaunlich, und ich bin Mutter.”

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“Nach 2 Wochen sehe ich endlich Licht am Ende des Tunnels. Es könnte allerdings auch der Zug sein, der mich demnächst überrollt. Ich konnte heute morgen sogar duschen! Alles da unten ist noch geschwollen, aber es wird langsam besser. Wann ich aufhöre zu bluten, besser gesagt, ob, wage ich aber so langsam zu bezweifeln. Die Schwangerschaftskleider sind zu groß – meine Brüste scheinen aber aus Stein zu bestehen. Mein armer Mann – niemand sollte die Frau, die er liebt, so sehen müssen. Aber ich fühle, dass es aufwärts geht. Meine Brustwarzen sind nicht entzündet wie bei meinem ersten Baby, aber der Kleine spielt gerne beim Trinken – und das macht mich wahnsinnig. Und ich versuche im Gegensatz zum ersten Mal nicht mehr, perfekt zu sein. Ich habe mir von allen Zeit erbeten, um mich und meine Söhne zu finden und Ruhe in den Alltag zu bekommen. Die Narbe auf meinem Bauch habe ich noch von einer großen OP mit 21 Jahren, nachdem die Blinddarm-OP schief gelaufen ist. Sie brach 6 Mal auf, die beiden Schwangerschaften haben die Narbe größer und hässlicher gemacht. Mir ist das egal, es ist wie ein zusätzlicher, großer Schwangerschaftsstreifen. Mein Traumjob als Bikini-Model muss ich eben an den Nagel hängen, aber das heißt nicht, dass ich nicht schön, nicht erstaunlich bin – und ich bin eine Mutter.”

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“Heute ist es 10 Wochen her. Das ist eine lange Zeit – und mein Bauch wird immer besser, ist lange nicht mehr so geschwollen. Er hängt, meine alte Kleidung passt immer noch nicht, von Sport kann ich immer noch nur träumen. Meine Knöchel sind noch immer geschwollen, wo die letzten 8 Wochen hin sind, kann ich nicht so genau sagen. Ich erinnere mich nur trübe daran, gefüttert, geschlafen, abgepumpt, bespaßt und jongliert zu haben, ab und zu habe ich auch den Haushalt gemacht und gearbeitet. Mir tut alles weh, alles ist erschöpft. Meine Ernährung ist gesund, wie immer, aber ich bin nur ein Mensch, und was ab und zu nur noch hilft sind Schokolade, viel, viel Kaffee und gebackene Bohnen auf Toast. Das ist meine Definition von gesund, zumindest im Moment. Duschen ist immer noch ein Luxus, den ich mir nur selten zugestehe. Die Bohnen habe ich aus der Dose, für was anderes habe ich keine Zeit. Warum mache ich das? Ach ja, ich liebe die Kinder. Ich liebe alle, die um mich herum sind. Aber ich bin immer noch schön, ich bin umso erstaunlicher, und ich bin Mutter.”

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“Ich bin nun, 14 Wochen nach der Geburt, raus aus der ‘Neugeborenenphase’. Kein Zombie mehr, vielleicht noch ein bisschen ab und zu, immer mehr fühle ich mich wieder wie ein Mensch. Mein Bauch ist wieder relativ flach, aber voller Dehnungsstreifen, die Haut ist vor allem um die alte Narbe gestresst, nichts ist schon vollständig verheilt. Meine erste Periode ist wieder gekommen, mein Hormonhaushalt machte schon immer, was er wollte und brachte meine Tage sehr unregelmäßig. Aber es scheint ein gutes Zeichen zu sein. Mein Körper wird von selbst wieder aktiver, die Reparatur läuft. Einen Marathon werde ich nicht mehr laufen, mein Beckenboden ist beschädigt, aber die Erziehung ist ja auch ein Marathon. Die Jungs sind diesen Marathon wert. Ich war in den letzten Wochen gebrochen, erschöpft, wund, was aus meinem Körper kam, war nicht mehr normal, ich habe Schwangerschaftsstreifen und meine Nippel sind eingerissen – aber ich bin schön, ich bin erstaunlich und ich bin Mutter.”

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“Ob ich auf den Laufstegen von Victoria Secret laufe, wage ich zu bezweifeln. Aber ich habe mich auf meinen Körper konzentriert und das hat mir gut getan. Du musst nur nett zu dir selbst sein, auch wenn es Zeit kostet, egal, wie lange es dauert, lass dich nie mit jemandem vergleichen, denn du bist du und du brauchst deine Zeit. Niemand wird je in deinen Schuhen laufen, niemand darf dich verurteilen, niemand hat ein Recht dazu. Ich werde weiter das tun, was für mich und meine Familie am Besten ist, das braucht auch Mut und Kraft, aber beides hast auch du in dir. Denn du bist schön, du bist erstaunlich und du bist eine Mutter.”

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