So tragisch kann eine Scheidung sein


Menschen, die ein Leben miteinander führen, treffen manchmal weitreichende Entscheidungen. In einigen Fällen führen diese Entscheidungen die Leben auseinander, ob man dann miteinander verheiratet ist oder eine Beziehung führt, spielt dabei keine Rolle. Hier ist ein Online-Tagebuch, welches erklärt, wie es diesem Paar gegangen ist. Ausnahmsweise ist diese Geschichte aus Sicht eines Mannes, mit seinen Gefühlen und Gedanken. Wenn du diese Geschichte gelesen hast, werden auch deine Gefühle Achterbahn fahren. Denn es geht um Untreue, Liebe und eine Beziehung, die fest steckt:

pixabay

“Gestern Nacht kam ich spät nach Hause. Meine Frau saß am Tisch, das Essen war gemacht, alles nett her gerichtet. Ich sah sie an und wusste, ich muss mit ihr reden. Ein Gespräch, was ich viel zu lange vor mir her geschoben habe. Ein Schmerz lag in ihren Augen, sie wusste, was ich ihr sagen wollte. Und doch setzten wir uns hin und aßen, ich hielt dabei ihre Hand.
Wie sollte ich nur anfangen, wie sollte ich ihr das sagen? Der Gedanke an Scheidung plagte mich aber schon lange. Also redete ich einfach. Sie reagierte nicht, fragte am Ende nur: “Warum?” Ich wusste darauf keine rechte Antwort. Eigentlich hatte sie nichts falsch gemacht.”


Pexels

“Wie sollte ich ihr das also erklären? Sie wurde wütend. Sie beschimpfte mich, danach sprachen wir nicht mehr. Sie weinte leise, ich konnte sie hören, aber sie wollte mich nicht sehen. In ihrem Kopf musste es arbeiten, ich konnte es sehen. Sie versuchte herauszufinden, was sie falsch gemacht hatte, ab wann es so schief gelaufen ist. Aber ich konnte es ihr nicht sagen. Eben noch war mein Herz ganz bei ihr – und dann nicht mehr. Dann lernte ich Jane kennen. Für meine Frau war nur noch Mitleid übrig, ich verliebte mich in Jane. Unglaubliche Schuldgefühle erdrückten mich, als mir das klar wurde. Ich ließ vor dem Gespräch, lange davor, eine Scheidungsvereinbarung aufsetzen. Meine Frau bekam das Haus, das Auto, 30% der Firma. Aber sie wollte das alles nicht, sie riss das Schriftstück in kleine Fetzen. Zehn Jahre waren wir uns so nah – jetzt ist sie eine Fremde.”

pixabay

“Sie hatte viel Energie, Zeit und Kraft an mich gegeben. Mein Gewissen wurde noch schlimmer. Aber die Liebe war weg. Wie hätte ich ihr das sagen sollen? Mein Herz war ganz und gar bei Jane. Ich wartete auf die Szene von meiner Frau, und sie kam. Jetzt war es endlich real, ich konnte abschließen.
Aber am nächsten Tag kam ich wieder spät nach Hause und sah, dass sie am Tisch saß und etwas schrieb. Gegessen hatte ich auswärts, also ging ich schlafen. Den Tag hatte ich glücklich mit Jane verbracht, mir ging es gut. Mitten in der Nacht wurde ich wach, wollte etwas trinken. Sie saß immer noch am Tisch und schrieb. Ich ging wieder ins Schlafzimmer und schlief in Ruhe weiter.”

pixabay

“Ich stand früh auf, als sie immer noch wach war. Sie meinte, dass sie die Bedingungen für die Scheidung aufgeschrieben hatte. Sie sollte nichts materielles, nur einen Monat. Einen Monat mit mir, weil unser Sohn eine wichtige Prüfung vor hatte. Er sollte sie bestehen, ohne mit den Gedanken woanders zu sein. Und für unseren Sohn konnte ich das.”

pixabay

“Aber sie wollte auch, dass ich sie jeden Morgen zur Türe trage, wie in unserer Hochzeitsnacht, nur umgekehrt. War sie verrückt, übergeschnappt? Aber ich stimmte zu. Wenn das alles war, das bekam ich hin.”

pixabay

“Ich erzählte Jane von den Bedingungen meiner Frau. Sie lachte, meinte, die andere müsste eben damit leben.
Ich hatte meine Frau nicht mehr angefasst, seit das Thema Scheidung offen zwischen uns lag. Und dann war es so weit. Ich trug sie unbeholfen zur Türe, unser Sohn freute sich. Seine Freude schmerzte mich. Aus dem Schlafzimmer, durch das Wohnzimmer, hier war die Türe. 10 Meter, 30 Tage. Sie bat mich, unserem Sohn noch nichts von der Scheidung zu erzählen. Dann setzte ich sie ab. Sie ging zur Arbeit, ich ins Büro zu Jane.”

pixabay

“Am nächsten Tag wurde es leichter. Sie lehnte sich gegen meine Brust, ihr Duft war mir in die Nase gestiegen. Seit langem sah ich sie mal wieder an, ihre kleinen Fältchen waren tiefer geworden, die Haare wurden grau. 10 Jahre sind eine lange Zeit. Für den Jungen und mich hatte sie immer alles gegeben, das ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
Dann kam Tag vier. Eine tiefe Verbundenheit machte sich breit, 10 Jahre sind eine sehr lange Zeit miteinander.
Tag fünf und sechs – es wurde immer leichter. Oder wurde sie leichter? Jane, ja, mit Jane redete ich kaum noch. Jeden Tag leichter, jeden Tag weniger.”

pixabay

“Eines Morgens, als sie vor dem Kleiderschrank stand, versuchte sie, sich passend anzuziehen. Sie hatte abgenommen, war fast schon abgemagert. So viel Schmerz und Verbitterung – und sie ließ nichts heraus. Ich berührte sie, ganz ohne Vereinbarung.”

pixabay

“Unser Sohn kam ins Zimmer, er meinte, ich muss sie raus tragen. Der Anblick hatte sich eingebrannt, er liebte diesen Anblick. Meine Frau umarmte ihn, ich schaute die beiden an. Und ich wurde unsicher, ob ich das richtige tat. Dann ging es wieder aus dem Schlafzimmer, durch das Wohnzimmer, zur Türe. Ihre Hand schmiegte sich in meinen Nacken, ich hielt sie fest. Aber sie war wirklich sehr leicht geworden.
Es kam der letzte Tag der Vereinbarung. Ich lief langsam, an der Türe hielt ich sie lange im Arm. Unser Sohn war in der Schule, wir redeten nochmal. Ich erklärte ihr, warum ich gehen wollte, dass die Nähe in unserer Ehe irgendwann weg gewesen war. Im Büro lief ich schnell nach oben, mein Auto hatte ich in der Eile nicht abgeschlossen.”

pixabay

“Meine Meinung stand fest – ich würde mich nicht scheiden lassen. Das sagte ich Jane. Sie meinte, ich scherze, aber es war mir sehr ernst. Die Erklärung, dass meine Ehe fast kaputt gegangen wäre, weil ich sie nicht schätzen konnte, wollte sie nicht hören. Ich dachte an die vielen kleinen Dinge, die täglich sagten, dass meine Frau mich liebt. Die Liebe war tief verschüttet gewesen – aber niemals gestorben. Das werde ich nie wieder vergessen. Jane schlug mich, sie weinte und ging. Ich war glücklich, trotz der Tragödie. Abends holte ich Blumen für meine Frau, seit Jahren das erste Mal. Und ich ließ auf die Karte schreiben: “Ich werde dich jeden Tag tragen, bis dass der Tod uns scheidet.”

pixabay

“Zuhause rannte ich die Treppen hoch, die Blumen in den Händen – meine Frau lag reglos im Bett. Alles Leben war aus ihrem Körper gewichen, ich erfuhr, dass, während ich mich vergnügte mit Jane und über die Scheidung nachdachte, sie gegen den Krebs gekämpft hatte. Sie hat nie etwas gesagt, es wäre zu spät für jede Hilfe gewesen. Und ich war so beschäftigt, dass mir nie etwas aufgefallen ist. Sie wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde, und so hat sie mein Bild in den Augen unseres Sohnes nicht beschmutzt, sie hat dafür gesorgt, dass ich immer noch sein Held bin. Und ihm jetzt in der Trauer helfen kann. Aber wer hilft mir, denn ich bin jetzt ein trauernder, liebender Ehemann?”

pixabay

In einer Beziehung, die dieses Wort verdient, kommt es nicht auf das Auto, das Haus, das Geld, den Sex an. Wie wir miteinander umgehen, wie wir uns lieben und schätzen, die Freundschaft zueinander, darauf kommt es an. Schau hin, wenn dein Partner auch nur kleine Dinge für dich tut, bemerke die Liebe in den kleinen Gesten. Überlege, bevor du handelst, sprich mit deinem Partner über deine Gefühle. Er kann sie nicht erraten. Teile den Beitrag, um auch andere darauf aufmerksam zu machen.

Quelle Avmedia
Loading...