Das Tagebuch einer Hebamme


Wenn man (also Frau) schon mal mit einem Mann im Kreißsaal war, dann weiß man, dass er nicht immer nützlich ist. Oft genug sind Männer Ablenkung, sie nerven oder stehen im Weg – außerdem sind sie ja auch an der ganzen Situation schuld und viele Frauen denken, sie sollten eigentlich da liegen. Für die werdenden Mütter sind die meisten Männer nicht hilfreich, für das Klinikpersonal und die Hebammen oft genug ein Grund für Erheiterung. Jetzt hat eine Hebamme aus dem Nähkästchen geplaudert – und es ist kaum zu fassen, was die Männer im Kreißsaal alles treiben. Jana Friedrich heißt die Hebamme und sie hat eine lange Berufslaufbahn in Berlin hinter sich. Aus täglicher Erfahrung weiß sie, dass selten eine Geburt wie geplant verläuft. Sie hat angefangen, einen Blog zu schreiben, um von all den skurrilen Vorkommnissen zu erzählen. Zudem möchte sie interessierten Väter zeigen, was man im Kreißsaal macht – und was besser nicht:

#1 Er saß mit einer Excel-Tabelle da. Er saß in der Ecke, hat die Wehen seiner Frau in der Tabelle im PC aufgezeichnet. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht fühlte er sich hilflos und wollte aktiv an der Geburt teilhaben, aber Sinn hat es nicht gemacht. Er schrieb auf, wie lange jede Wehe dauerte, wann sie kam, wann sie fertig war, wie stark sie war. Er brachte seine Frau damit zur Weißglut. 


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#2 Ein anderer Vater hat sich sehr nah an seine Frau heran gewagt. Nicht am Kopf, um sie zu stützen, nicht neben ihr, um ihre Hand zu halten, sondern vorne, um alles zu sehen – wobei das auch nicht allzu viele machen. Er hatte eine Kamera dabei und filmte alles ganz genau. Bis endlich der Kopf zu sehen war – dann war er erschrocken, wie groß dieses Köpfchen doch war. Seine Frau flippte bei diesem Kommentar völlig aus – verständlich.

#3 Bei einer Frau war schon alles zu weit. Es war ihre zweite Geburt; eine PDA, die Peridualanästhesie, eine Betäubung zur Hilfe gegen die Schmerzen, konnte nicht mehr gelegt werden. Der Mann meinte: “Das ist nicht schlimm, die schafft das schon, sie soll sich eben nicht so anstellen.”

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#4 Auch Fachleute können hinderlich sein. Nach einer Geburt wird oft ein Tampon gelegt, wenn die Mutter gerissen ist und genäht wurde, damit nicht alles voll geblutet wird. Diesen Tampon nennt man dann Mops. Die Ärztin, welche die Frau genäht hatte, sagte zu ihr: “So, und jetzt rein mit dem Mops.” Diese wurde sehr unsicher und fragte: “Der ist doch gerade raus?!”

#5 Wenn eine Frau die werdende Mutter begleitet, kann das sehr helfen. Es gibt eben Paare, die sehr gut miteinander arbeiten und andere, die damit völlig überfordert sind. Oft macht der Mann die Frau auch nervös, während eine Freundin oder eine weibliche Verwandte eher beruhigend wirkt. Manchmal schicken wir den Mann auch raus, damit er sich einen Kaffee holt und die Frau ruhiger wird. Fast immer hilft es und die Geburt geht weiter voran. In Ohnmacht fallen nur wenige. Und die, bei denen es passiert, die werden erst mal liegen gelassen – wenn man sicher ist, dass sie stabil sind und nicht im Weg liegen.

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#6 Aber es gibt auch Väter, welche die Ärzte und Hebammen stören. Uninformiert, unvorbereitet, Angst, das sind die schlimmsten Kombinationen. Wenn die Frau meint, sie schaffe das nicht, dann hilft er ihr nicht, sondern schreit meist das Personal an. Fast jede Frau äußert so einen Satz. Sie weiß, es muss raus, es kann eigentlich nichts passieren, alle sind da, um zu helfen, aber dieser Satz fällt immer.

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#7 Als Tipp kann man mitnehmen, dass man der Frau gut zureden sollte, dabei sein sollte, die Hand halten sollte. Als Mann kann man nicht mehr helfen, die Frau braucht nur eine vertraute Person um sich, die sie auch mal anschreien kann. Man(n) kann noch dafür sorgen, dass sie genug zu trinken hat, Decken, Fenster auf oder zu, Musik, Zärtlichkeiten.

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Quelle Focus
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